Schüler berichten

Über den Partnerschaftsverein werden seit einigen Jahren junge Ukrainerinnen und Ukrainer an der Schulze-Delitzsch-Schule in Wiesbaden kaufmännisch ausgebildet.

Nach der Ausbildung gehen sie zurück in ihre Heimat und bemühen sich dort um eine Arbeit. Wir halten den Kontakt, um an ihrem Leben in der Ukraine teilzunehmen. Hier werden Reaktionen von Schülerinnen auf die Vereinsarbeit dargestellt.

Mykola Hontscharuk

Schuljahr 2016 - 2018

Kolja ist neu im September nach Wiesbaden gekommen. Er besucht zur Zeit die 2-jährige Schultze-Delitzsch-Schule in Wiesbaden.

DIE SCHULE MACHT SPAß! - Artikel im Wiesbadener Kurier

"Niko" ist glücklich in seiner Familie Browman angekommen. "Er ist sehr fleißig, pflichtbewusst und selbstständig", lobt seine Gastmutter Johanna Browman. Sie empfindet ihn als echte Bereicherung und wünscht sich, dass er bald Leute in seinem Alter kennenlernt, denn seine Schulkameraden sind bedeutend jünger. Dafür, dass die Gastfamilie Verpflegung und Unterbringung sowie ein Taschengeld stellt, kümmert sich Niko einige Stunden in der Woche um die beiden Kinder Felix und Klara. "Nachmittags muss ich jetzt nicht mehr mit Felix Fußball spielen, sondern Niko geht mit ihm im Kurpark kicken", freut sich Johanna Browman. Das findet auch Felix klasse, weil "Papa fast nie Zeit dafür hat". Im Wiesbadener Kurier erschien am 27.10.2016 ein inhaltsreicher und interessanter Artikel ü den neuen Schüler "Niko" und seine ersten Gefühle und Erlebnisse in Deutschland. Hier lesen

Niko bei Familie Browman Partnerschaftsverein Niko bei Familie Browman Partnerschaftsverein

Juliana Pidvalna

Schuljahr 2014 - 2016

Juliana hat im Juni erfolgreich die Berufsfachschule abgeschlossen. Nach Ihrem Abschluss freuen wir uns schon auf Ihren Bericht. Anbei ein Artikel aus dem Wiesbadener Kurier über Julianas Schulbesuch in Wiesbadener Berufsfachschule.

ZAUBERHAFTER INTERNATIONALER WEIHNACHTSMARKT IN DER SDS

14 Schülerinnen und Schüler der 12BFB richten multikulturellen Weihnachtsmarkt aus Es sind nicht immer Lebkuchen, Stollen, Kartoffelpuffer mit Apfelmus oder Glühwein, wie bei uns üblich, die die Hitliste der weihnachtlichen Köstlichkeiten anführen..
„Der Heilige Abend in der Ukraine fällt auf den 6. Januar und wir tischen im Gedenken an die zwölf Apostel zwölf Fastenspeisen auf. Unter den Tisch legen wir Heu, das mit seinem Geruch an die Geburt Jesus erinnern soll. Und vom 7. bis zum 13. Januar gehen wir jungen Leute in unserer ukrainischen Kleidung mit Tuch und roten Stiefeln von Haus zu Haus und singen Lieder, um zu zeigen, wie glücklich wir sind, das Jesus Christus ge­boren ist“ beschrieb Juliana Pidwalna die ukrainischen Traditionen. Als Fastenspeise bot sie Kutja an, die aus gekochten Weizenkörnern mit eingeweichtem Mohn und je nach Geschmack mit Walnüssen, Rosinen und Honig zubereitet wird.

Juliana Pidwalna Partnerschaftsverein

Ira Schemchuk & Marjana Korchynska

Schuljahr 2011-2013

Ira und Marjana haben im Juni erfolgreich die Berufsfachschule abgeschlossen. Nach Ihrem Abschluss freuen wir uns schon auf Ihren Bericht.

Tanja, Ulyana & Mariia

Schuljahr 2009 - 2011

Einen herrlichen Tag! Darf ich mich vorstellen? Ulyana, Tanja, Mariia Mein Name ist Tetiana Bilyk und ich bin eine ehemalige Schülerin der Schulze-Delitzsch-Schule. ene Institution absolvierte ich erfolgreich 2011. Mein Weg in die Schule war wohl länger und schwieriger im Vergleich zu anderen Mädchen. Es ist mir aber gelungen, ans Ziel zu kommen, weil solche Persönlichkeiten wie Raissa Pavljukewytsch, Frau von Pawelsz-Wolf, Tanja Pastushok, Martina Lotz und die Gastfamilie Heinze an meiner Seite in dieser Zeit standen. Dank dieser Leute scheiterte mein Traum nicht. Raissa Pavljukewytsch, die Quelle der Hoffnung in düsteren, ukrainischen Zuständen, öffnete mir den Weg zur Schule.

Nie zu vergessen sind Frau von Pawelsz-Wolf Anstrengungen, eine Gastfamilie für mich zu finden. Zu diesem Zweck erschien sogar ein Artikel in der einheimischen Zeitung über die Tätigkeit des Vereins. Tanja Pastushok und ihr Ehemann waren so lieb, mir, fremder Person, die sie zuvor nie getroffen hatten, ein Obdach und Essen für geraume Zeit zu gewähren, obwohl sie selbst damals nicht genug Platz hatten. Kaum zu überschätzen ist die Bekanntschaft und Freundschaft mit Martina Lotz. Eine wunderschöne Frau mit gutem, weichem Herzen und kühlem, praktischem Kopf. Ihr unerschöpfliches Engagement bewundere ich bis heute.

Die Gastoma Marianne Heinze stellte mir in unendlichen Erzählungen über ihre Kindheit, en II. Weltkrieg, das Leben in der BRD bis zum Mauerfall und Beziehungen zu Weissrußland ein anderes unbekanntes Deutschland dar. Alle diese Begegnungen haben mich geprägt und bleiben für immer in Erinnerung. Der zweijährige Besuch der Schulze-Delitzsch-Schule bot eine perfekte zusätzliche kaufmännische Ausbildung zur fünfjährigen pädagogischen. In erster Linie verbesserte ich meine Deutschkenntnisse. Als ich mit der Schule anfing, wusste ich nur wie man den Computer ein- und ausschaltet. Deswegen war ich stolz auf mich, als ich nach 2 Jahren Präsentaionen in PowerPoint erarbeiten, Tabellen in Exel erstellen konnte, des Führens der kaufmännischen Korrespondenz mächtig war. Es hat sich erwiesen, dass Sportunterricht interressant sein kann. Dank Herrn Drieschmanns bin ich Profi bei Präsentationen und habe keine Angst eine Rede vor Publikum zu halten, weil ich weiß, wie man das richtig macht. Frau Mahlmeister ließ uns umfangreiche Kenntnisse im Personalwesen aneignen.

Ulyana, Tanja, Mariia Nicht zu vergessen sind gemeinsame Klassenausflüge, aber noch mehr die von Frau Schmithals organisierten Klassengespräche. Es lohnte sich nach Deutschland zu kommen, um von Frau Rubertus das Lob zu hören, ich sei kaufmännisch begabt. Der Unterricht in Politik und Religion vermittelte nicht nur ehtische Werte, sondern auch politisches und religiöses Wissen (z. B. Berührungspunkte der unterschiedlichen Religionen) bezogen auf Alltagsthemen. Im Rahmen der Ausbildung machte ich ein zweiwöchiges Praktikum bei einem Reisebüro in Berlin. An der Stelle möchte ich mich bei Peter Koller Masterarbeit Koller für die zur Verfügung gestellte Wohnung bedanken. Berlin ist eine besondere Stadt mit stark ausgeprägter Massenkultur. ort erlebte ich zum ersten Mal Simultan- und Konsekutivdolmetschen, was später meinen weiteren Lebensweg bestimmen sollte.

Die Schulze-Delitsch-Schule und alles was damit in Verbindung stand, war ein tolles, unvergessliches Erlebnis, das mich ein Stück weiter brachte, mich zu einer Millionerin im geistigen Sinne machte. Antoine de Saint-Exupery sagte einmal: "Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung". Einen herzlichen, menschlichen Dank an den deutsch-ukrainischen Verein, insbesondere an Frau von Pawelsz-Wolf für die gegebene Möglichkeit, die Blickrichtung zu wechseln, um morgen für mein eigenes Land nützlich sein zu können. Mit freundlichen Grüßen Tetiana Bilyk.

NACHRICHTEN WIESBADEN

EM: Mariia Rymars Herz für die Ukraine

Mariia Rymar drückt bei der Europameisterschaft Deutschland und der Ukraine die Daumen. Eigentlich. Denn wenn die Teams am Sonntag (21 Uhr) in der Gruppenphase aufeinandertreffen, hat die 29-Jährige dann doch einen Favoriten. „Mein Herz schlägt für die ukrainische Nationalmannschaft.“.

Julia K. & Natascha B.

Schuljahr 2007-2009

Wiesbaden! Auf Wiedersehen!
Julia Nata   Julia Natascha   Julia Natascha
August 2009… Das war unser letzter Monat in Deutschland… Schade. Aber gleichzeitig waren wir glücklich! Zwei Jahre – zwei wunderschöne Jahre – haben wir in Wiesbaden verbracht. Wir sind stolz, dass wir in unserer Schule –Schulze-Delitzsch-Schule – gelernt haben. Das war eine ganz neue Erfahrung für uns – ein neues Lerngebiet, neue Unterrichtsmethoden, ein neues Schulsystem überhaupt. Viele neue Kenntnisse haben wir uns angeeignet, Kenntnisse, die in unserer modernen Welt von großer Bedeutung sind. Wir konnten uns nicht nur in beruflicher, sondern auch in kultureller Hinsicht entwickeln. Beeindruckend war es für uns, wie viele Nationalitäten in Deutschland leben. Alleine in unserer Klasse gab es Vertreter von verschiedenen Ländern: Iran, Türkei, Polen, Russland, Italien, Rumänien, Albanien, Afghanistan, Tschechische Republik und, natürlich, Deutschland. Jeder hat eigene Kultur repräsentiert, von jedem haben wir etwas Besonderes und Interessantes erfahren. Mit unserer Klasse haben wir verschiedene Aktivitäten und Ausflüge gemacht. Wir besuchten die größte Bio-Messe der Welt in Nürnberg, nahmen an ESWE- und Leonardowettbewerben teil, hatten ganz viel Spaß im Europa-Park und im Bowling-Club. Besonders freuten wir uns über unseren Sieg beim ESWE-Wettbewerb. Als Belohnung bekamen wir eine gemeinsame Kanutour auf der Lahn mit anschließender Grill-Party und Piratenspielen in einem Biergarten. Im August kam auch die Zeit, uns von unseren deutschen Familien zu verabschieden. Der Gedanke daran fiel uns nicht leicht. Ach, unsere lieben Familien: Familie Bartling und Familie Knecht! Wir haben Euch soooo… lieb! Danke für das Gefühl, immer zu Hause zu sein, für Euren Glauben an uns und für all die schönen Momente, die wir zusammen erlebt haben. Wir vermissen Euch!!!! Einen großen herzlichen Dank an unseren Förderverein Wiesbaden-Schierstein * Kamjanez-Podolski e. V., der uns das alles ermöglicht hat. Seit vielen Jahren unterstützen Sie die jungen Mädchen aus unserem Land, geben uns die Chance, eine gute Ausbildung zu bekommen und sicherer in die Zukunft zu blicken. Mit der Seelenwärme denken wir daran, wie herzlich Sie uns aufgenommen haben und wie wohl wir uns bei Ihnen gefühlt haben. So haben wir Deutschland erlebt: mit vielen schönen Städten, altertümlichen Burgen, gastfreundlichen Leuten, fabelhaften Weihnachtsmärkten und wundervoller Natur. Ja, es war eine herrliche Zeit! Vielen herzlichen Dank dafür!!!!!!!!

19 November 2007

Schuljahr 2005-2007

Es ist nützlich, über den Weg nachzudenken, gerade wenn du schon am Ziel bist. Das sollte gewiß deinen Nachfolgern zugunsten dienen. Damit sie deine Fehler nicht wiederholen und Bescheid wissen, wo es "Schwellen unter dem Wasser" gibt. Wie war es eigentlich, ans Ziel zu kommen? Nicht einfach, manchmal anspruchsvoll aber mit Sicherheit interessant. Weil du wächst, indem du Schwierigkeiten überwindest. Tja, "Schwierigkeiten" ist laut gesagt. Eher Aufgaben, deren Lösungen uns derzeit nicht bekannt waren. Allerdings, wenn man nach Deutschland kommt, ist der Unterschied drastisch zu merken. Von solchen Kleinigkeiten, wie Knopf "Stop" im Bus (ich meine es ernst, die richtige Haltestelle habe ich am ersten Mal im deutschen Bus verpasst) bis auf komplexen Regeln im Meinungsaustausch. Und je länger du hier lebst, desto mehr selbstverständlich scheint dir der "deutsche Standard" (zumindest habe ich so empfunden) und du willst letztendlich diese Komponenten in dein Leben hineinbringen. Ich gebe zu, die vergangenen 2 Jahre tragen enorm in unser Leben bei (ich sage bewusst "in unser Leben", weil ich damit auch das 2. Mädchen meine - Lidia). Zum Beispiel mit wichtigen Kenntnissen und Fähigkeiten, die wir an der Schulze-Delitzsch-Schule erworben haben. Das sind keine leeren Worte. Sie werden staunen * wie gut wir uns in Rechnungswesen auskennen, * wie einfach fällt es uns, die Briefe nach DIN-Regeln zu gestalten, ein Break-Even-Point auszurechnen * oder eine anständige Power-Point-Präsentation vorzubereiten * und die Tatsache, dass Lidia (ohne Vorkenntnisse) eine Note "2" in Englisch kassiert hat, lässt keine andere Wahl, als nur zu sagen: Hut ab. Und, lieber Nachfolger, denkt daran, wir haben hier vom "0" angefangen. Also jeder kann mit gewissem Fleiß viel erreichen. Ja, ab und zu haben wir einen Spott hinnehmen müssen. Aber lasst euch nicht von eurem Ziel abhalten! Und sucht euch viele Freunde in der Klasse. Teenagers hier sind echt interessant. Schließlich habt ihr eine Chance, zum zweiten Mal das Teeny-Alter zu erleben. Was wir noch aus dem 2-jährigen Programm mitnehmen sind sogenannte Soft Skills (Schlüsselqualifikationen). Nämlich: * Teamfähigkeit (die Gastfamilie ist nichts anderes, als Team) * Lernfähigkeit (das heißt, man muss eine konstruktive Kritik akzeptieren und aus eigenen Fehlern lernen) * Kommunikationsfähigkeit (ein sehr wichtiges Bestandteil eines erfolgreichen Aufenthalts hier, besonders in den Familien mit Kindern) * Selbständigkeit (man muss selber Entscheidungen treffen, einen Rhythmus ausarbeiten, das eigene Pensum festlegen usw.) Anders formuliert, dient das 2-jähirge Programm in Deutschland als eine Tür ins ernsthafte erwachsene Leben. Viel Erfolg euch dabei! Nina Ljuba , Wiesbaden, den 17. August 2007.

Olga Sugera

Schuljahr 2003-2005

Olga Sugeras Eindrücke von der Ausbildung an der Schultze-Delitzsch-Schule in Wiesbaden Ich möchte mich gerne bei der Familie Holger und Christel Gossmann bedanken, die mich bei sich aufgenommen haben und zwei Jahre als ihre eigene Tochter behandelt haben. Auch bei den Mitgliedern des Schierschteins-Kamenez-Podilskij Verins, die mir diese Ausbildung in Wiesbaden ermöglicht haben - Frau Raissa Pawlukowitch, Frau Maria von Pawelsz-Wolf, Frau Charlotte mit Dr. Klaus Knuth, Wolfgang Kessels und allen anderen, die ich jetzt nicht erwähne, aber immer an sie denken werde.
Als man mich gefragt hat, ob ich etwas über meine Ausbildung an der Schulze-Delitsch-Schule zu erzählen hätte, wusste ich anfangs nicht, worüber ich schreiben könnte. Nicht, dass ich überhaupt nichts zu berichten hätte, im Gegenteil – ich hatte zu viel zu erzählen. Alle möglichen Gedanken sind mir durch den Kopf geschossen, womit ich anfangen sollte. ALSO, Nach zwei Jahren Ausbildung bin ich berechtigt, die Berufsbezeichnung „Staatlich geprüfte kaufmännische Assistentin für Bürowirtschaft" zu führen. Was so kompliziert klingen mag, ist im Grunde genommen sehr einfach. Das sage ich natürlich jetzt, wo ich die Ausbildung schon hinter mich gebracht habe. Am Anfang war alles ganz anderes.

In der Schulze-Delitzsch-Schule in Wiesbaden wird Bürowirtschaft als Schulform angeboten. Es ist eine zweijährige Ausbildung zur staatlich geprüften kaufmännische Assistenten/in, die Theorie und Praxis in sich vereint, d.h. die Schüler haben die Möglichkeit in diesen zwei Jahren nicht nur theoretisch die Abläufe des Unternehmens zu erlernen, sondern auch praktisch in einem Betrieb, z. B. der Sparkasse, bei der Buchhandlung oder in einem anderen Geschäft, ihre Kenntnisse während eines 6-wöchigen Praktikums zu verbessern.
Ich erinnere mich mit gemischten Gefühlen an die Schule. Der aufregendste Tag war, wie für die meisten Menschen, der erste Schultag. Am frühen Montagmorgen hat alles schon angefangen mit Suche der Räume. Mir ging es genauso wie den anderen, die erschöpft von dieser Suche ins Klassenzimmer hineinplatzten. Ich hatte Glück, ich habe es rechtzeitig gefunden. Da durfte ich schon meine Klassenlehrerin kennen lernen – Frau Mahlmeister – und meine Mitschüler ( 23 Jungen und Mädchen ) und mir eine vage Vorstellung davon verschaffen, wie es weiter gehen wird. Ich hatte keine Zweifel, dass ich die Ausbildung schaffen werde, aber damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass es doch viel leichter für mich werden würde als ich mir gedacht hatte. Die ersten Unterrichtsstunden liefen ganz ruhig ab, bevor wir uns alle „beschnuppert" hatten.
SODOM UND GOMORRHA kamen erst später. Die Leute, die zufällig in diese Klasse 11 BF (Bürowirtschaft) gekommen sind, weil sie keine anderen Ausbildungsplätze gefunden haben, hatten anschliessend kein Interesse daran, sich wenigstens zu bemühen still im Unterricht zu sitzen und den anderen die Möglichkeit zu geben, was zu lernen. Alle Lehrer haben angefangen über die 11 BF zu klagen. Es wurde immer schwieriger mit den Jungs (nicht, dass man meinen mochte, die Mädchen hätten die Klasse auf den Kopf gestellt.) Besonders schwer war es im Unterricht mit den Lehrern, die keinen Einfluss auf die „Bösen" unserer Zeit hatten. Unter diesen Umständen, die ich nicht unerwähnt lassen kann, hat der andere Teil – die „Guten" unserer Zeit – versucht, etwas vom Unterricht mitzukriegen. Die ersten Überraschungen kamen mit der Unterrichtsgestaltung allgemein.

Wir lernen ein neues Thema, dazu bekommen wir entweder irgendwelche Information vom Lehrer oder wir sammeln stichpunktartig unsere Gedanken und Ideen zu diesem Thema selbst. In Deutschland wird das Mündliche im Unterricht benotet. Die Note hat einen großen Einfluss auf die Endnote, die sich aus der Note für mündliche und schriftliche Leistung zusammensetzt. Zur Note zählt man normalerweise die Mitarbeit des Schülers, seine Antworten und vielleicht einen Teil der Hausaufgaben. Der Lehrer macht sich entsprechend Notizen. In ganz wenigen Fällen bekamen wir Hausaufgaben. Es wurden auch nur eine bis zwei Kontrollarbeiten pro Fach geschrieben (für ein Halbjahr). Bei der Benotung dieser Arbeiten gibt es ein System der Punkteverteilung. Sehr oft haben wir Gruppenarbeit gemacht, was mir teilweise nicht gefallen hat. Ich bin gewohnt, von meiner Schule aus, selbstständig für mich allein zu arbeiten.

Den besten Eindruck hat mein erster Unterricht in meinem Gedächtnis hinterlassen. Wir sollten ein Projekt erstellen, sozusagen eine Werbung für unsere Erfindung. Die Erfindung bestand darin, dass ein Ei aus dem 3. Stock sicher auf dem Boden landen sollte. Es mag wahrscheinlich komisch klingen, aber in Wirklichkeit war das sehr spannend. Wir bekamen 3 Luftballons, ein Stück Pappe, einen Meter Leine und einen Meter Kleberband. Das war unsere erste Gruppenaufgabe, in die 3 – 4 Schüler ihre Ideen zusammenbringen sollten. So „ein Schwein" hatte jedes Ei beim Runterfallen gehabt – keines ist kaputtgegangen, nur bei der Werbung für die Erfindung waren wir alle noch ein bisschen schüchtern. Das hat aber im Nachhinein die ganze Klase aufgemuntert. z. B. Microsoft Word, Excel, Access, Power Point usw. Diese Kenntnisse werden jetzt überall gefragt.
Im Fach „Präsentation" haben wir gelernt, wie man richtig einen Vortrag halten soll, wie man korrekt Material zusammenstellt und dann gut herüberbringt, um beim Zuhörer Interesse zu wecken, den das Thema vorher überhaupt nicht interessiert hat. Wir hatten viel Spaß bei der Erstellung von Power Point Präsentationen. Hier war schon unsere Kreativität bei der Materialzusammenstellung und Bildersuche gefragt. Sehr oft haben wir auch das Internet benötigt. Und meine letzte Abschlussprüfung in diesem Fach habe ich mit großer Freude gemacht. Mein Thema „Nichts wissen. Alles verlieren" lautete sehr mystisch, was mehrere Lehrer dazu gebracht hat, freiwillig meinen Vortrag zu besuchen. Fach „Buchführung" hatte mir auch viel Freude gebracht, weil ich dort überwiegend mit den Aufgaben alleine beschäftigt war, und da mir die Zahlen und Rechenaufgaben immer sehr am Herzen lagen, war es sehr interessant für mich in diesem Bereich etwas Neues zu lernen. Um sie weiter nicht zu langweilen, möchte ich mich für ihre Aufmerksamkeit zu bedanken, falls sie meinen Bericht bis zum Ende gelesen haben..
Olga Sugera, November 2003.

Überraschungsbrief im Postfach

Schuljahr 2000-2002

Auswirkungen unserer Hilfsarbeit auf junge Menschen in Deutschland Vor einigen Jahren kam eine Schülerin aus einer Steuerklasse auf mich zu und erzählte mir, daß sie an einem Wettbewerb teilnehmen wolle, der von Bundespräsident Herzog ausgeschrieben sei. Es ging dabei um die Darstellung sozialer Projekte. Die Schülerin war aus Brandenburg nach Wiesbaden gekommen, um eine Lehre bei einem Steuerberater zu machen, weil es in ihrer Heimat keine Lehrstellen gab. Sie fragte mich, ob sie mich zu der Arbeit für die Stadt Kamenez-Podolski interviewen dürfte. Natürlich stand ich ihr gern Rede und Antwort. Mit dem Titel "Pani Maria" verfaßte sie eine bebilderte Dokumentation über die Stadt Kamenez-Podolski, die Arbeit unseres Vereins und ihre Meinung dazu und schickte sie am 27. Februar 1997 an das Bundespräsidialamt. Nach zwei Monaten kam sie strahlend auf mich zu und erklärte mir ganz stolz, sie hätte einen großen Buchpreis für ihre Arbeit gewonnen.

Vor einem Jahr fand ich eine e-mail mit dem Titel "Kennen Sie mich noch?" in meiner e-mail -.Box vor. Zuerst konnte ich mit dem Namen nicht viel anfangen, aber als ich den Brief las, sah ich meine Versicherungsklasse von 1995 wieder vor mir. Meine ehemalige Schülerin Danny schrieb mir, daß sie damals mitgeholfen hatte, eine ganze Bäckerei im Rheingau auszubauen, um sie in einem Hilfstransport nach Kamenez-Podolski zu verladen. Während ihrer zweijährigen Ausbildungszeit hatte sie mehrfach mit der ganzen Klasse dabei geholfen, Sattelschlepper zu beladen. Daran erinnerte sie sich sehr gut. Jetzt wollte sie eine Umschulung machen, um nicht mehr als Versicherungskauffrau zu arbeiten. Bei ihrer neuen Ausbildung zur Ergo-Therapeutin mußte sie ein Referat über eine soziale Arbeit erstellen. Dabei entsann sie sich der Hilfsarbeit von 1995 und fragte nach, ob es den Verein noch gäbe. Ich habe ihr sofort geantwortet und sie mit den letzten Dokumentationen versorgt. Von Charlotte Knuth, unserer Fotografin bekam sie Fotos, um ihre Arbeit zu illustrieren. Nachdem sie ihr Referat gehalten hatte, schrieb sie mir, daß sie 99 Punkte für ihr Referat bekommen habe und daß nun auch KlassenkameradInnen ihrer neuen Ausbildungsarbeit gern mithelfen wollten.

Es macht Freude zu erleben, daß diese soziale Arbeit durchaus eine dauerhafte Wirkung auf die SchülerInnen hat. Sie haben nicht nur das notwendige Fachwissen für ihre spätere Berufslaufbahn mit auf den Lebensweg genommen, sondern sind auch für ein soziales Engagement aufgeschlossen worden. April 2003 Maria von Pawelsz-Wolf

Tanja Pastuschok

Schuljahr 2000-2003

In Kamjanez schläft man besser ... Die Ferien waren sehr schön, aber wie immer zu kurz. Wenn man drei Begriffe zu nennen hat, die mit den Ferien verbunden sind, nennt man meistens länger schlafen, mit den Freunden ausgehen und auch reisen. Einer hat sich an der Ostseeküste erholt, der andere war in Florida, noch jemand reiste nach Griechenland und vergnügte sich im Robinson-Club.
Man kann aber die Ferien anders verbringen, wobei man stündlich einen anderen Termin hat und immer unterwegs ist. Und trotzdem macht man das mit Vergnügen. So verlief die Urlaubszeit von Frau Maria von Pawelsz-Wolf, der Vorsitzenden des uns bekannten Partnerschaftsvereins Wiesbaden-Schierstein * Kamjanez-Podilski, die mit ihren Freunden vom 6. Oktober bis 15. Oktober 2000 eine Reise in die Ukraine machte. Ich nenne drei Begriffe, die sie als ihr Motto auch nennen würde: *den Menschen helfen, *sich über die Erfolge der Menschen freuen, *mit den Menschen in Verbindung stehen.

Das sind auch keine leeren Worte. Dahinter steht mühsame Arbeit, und zwar nicht nur ihre, sondern auch aller Vereinsmitglieder und das schon seit über neun Jahren. So haben zum Beispiel Ende September d. J. drei Lkws einen Teil von 300 Krankenbetten, die von der Bundeswehr gespendet wurden, und die Kleiderkartons nach Kamjanez gebracht. Der nächste Transport wird in diesem Monat vorbereitet. Und der Wunsch weiter zu helfen, wird noch größer, wenn man sich überzeugen kann, dass die Hilfe auch richtig ankommt, dass es Hilfe zur Selbsthilfe wird, so wie es auch gedacht ist.
Es war ergreifend zu sehen, dass Herr Myroslaw Matschak, der für seine Mini-Druckerei vor ein paar Jahren schon vom Verein eine Ausstattung bekommen hat, heutzutage 19 Arbeitsplätze geschafft hat oder dass die Nähstube, der Friseursalon, die Kaffeestube vielen Menschen Freude bereiten. Selbstverständlich sind noch viele Schwierigkeiten zu überwinden, doch die Hauptsache ist, dass die Menschen nicht aufgeben. Ein Grund dafür ist die Unterstützung des jetzigen Bürgermeisters, in dem der neue Führungstyp zu erkennen ist.
Während des Besuches in Kamjanez wurde jede Möglichkeit wahrgenommen, um den Bedürftigen zu helfen. Zum erfreulichen Abend, der unter dem Motto "Beeilt Euch, das Gute zu tun" stattfand, kamen über 80 Gäste. Die an diesem Abend gespendeten Einnahmen bekommt die Waisenfamilie mit 4 Kindern für die Renovierung ihrer Wohnung. In den Augen dieser Kinder konnte man viel lesen. Das Angenehme an dem Abend war auch, dass Frau von Pawelsz-Wolf, einfach Pani Maria genannt, mit dem Orden "Ehre und Respekt" für ihre langjährige Wohltätigkeit ausgezeichnet wurde. Es ist schön zu wissen, dass ihr guter Willen von den Menschen anerkannt wird.

Die schönsten Farben der goldenen Jahreszeit und die freundliche ukrainische Sonne haben der Reise in die Ukraine eine ganz besondere Note gegeben. Außerdem wurde festgestellt: in Kamjanez in dem Hotel, wo die Dusche zur Decke spritzt und wo der Fahrstuhl nicht immer geht, schläft man nach dem langen Tag viel viel besser, als in dem schicken Hotel bei der Übernachtung in Polen.
Tanja Pastuschok, 24. Oktober 2000