• Zur Geschichte der Gründung des Partnerschaftsvereins

    Nach der Wende erklärten meine Berufsschüler, dass sie gern im Osten helfen wollten. Aber sie waren nicht bereit, Geld zu spenden für „Ein Herz für Russland“, weil man nicht wusste, was mit dem Geld geschah. So sprachen sie mich an: „Sie kennen doch in aller Welt Menschen. Da werden Sie auch im Osten jemanden kennen!“

    In der Tat kannte ich einen Deutschlehrer aus Kamenez-Podolski/Ukraine, der 1976 mit der Friedrich-Ebert-Stiftung in Wiesbaden war. Ich hatte die ganze Gruppe zu mir nach Hause eingeladen. Aus diesem Kontakt ergab sich ein reger Briefwechsel über die vielen Jahre. So bat ich Michael Pustowit, mir Adressen von bedürftigen Menschen aus seiner Heimatstadt zu schicken. 1991 bekam ich die ersten Adressen, die ich an Interessenten verteilte. Ein Kollege aus meiner Schule erhielt auf sein Paket eine Antwort, die ihn so sehr rührte, dass er gleich wieder ein Paket schicken wollte. Da erklärte ich ihm, dass wir die Sache etwas größer aufziehen könnten. Durch meine Kontakte zur Wiesbadener Presse erschien ein Artikel „Zahnpasta und Spaghetti für die Ukraine“. Ein Unternehmer wollte eine Palette Spaghetti spenden. Nach diesem ersten Aufruf kamen viele Geschenkpakete, die wir in einem Raum in der Schulze-Delitzsch-Schule sammelten. Anfang Januar 1992 fuhr dann der erste von Kühne & Nagel gesponserte Sattelschlepper begleitet von zwei Wiesbadener Bürgern nach Kamenez-Podolski. Die Rückkehrer berichteten von ihren ersten Eindrücken und der großen Armut in Kamenez-Podolski und dass sie eigentlich nichts von den Deutschen annehmen wollten. Mit Unterstützung der Presse rief ich sofort zu einer neuen Spendenaktion auf.

    Obwohl die Menschen in Wiesbaden sich eigentlich auf Karneval vorbereiteten, kamen so viele Spenden zusammen, dass ich wieder einen Sattelschlepper Ende Februar mit vier jungen Männern begleiten konnte. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und erfuhren bei dem Besuch einer alten Jüdin, was sich während des zweiten Weltkrieges in Kamenez-Podolski ereignet hatte. Auf der Gedenkstätte wurden wir zu einem Mahnmal mit der Aufschrift: „Gewidmet den Brüdern und Schwestern, die hier am 5. August 1941 von den Faschisten erschossen wurden“ geführt. Da wurde mir klar, warum die armen Menschen beim ersten Transport eigentlich nichts annehmen wollten. Aber jetzt erkannten sie beim Anblick der deutschen jungen Männer, dass es andere hilfsbereite deutsche Menschen waren.

    Für die weitere Hilfsarbeit erkannte ich, dass wir eine rechtliche Struktur benötigten, damit wir auch Spendenquittungen geben könnten. Mit juristischer Beratung gründeten wir im August 1993 den „Partnerschaftsverein Wiesbaden-Schierstein * Kamenez-Podolski e.V.“, der beim Amtsgericht Wiesbaden im Vereinsregister unter Nr. 2927 eingetragen wurde.

    Im Laufe der Zeit sind viele hilfreiche Menschen in den Verein eingetreten. Stellvertretend für die vielen Helfer für die Hilfstransporte möchte ich Frau Martina Lotz, Frau Doris Engel, Frau Christa Döge, Herr Rainer Schnell und das Ehepaar Knuth nennen.

Mut machen durch Unterstützung!

...Das Schöne an der ehrenamtlichen Arbeit ist, dass man von den täglichen Erlebnissen sehr erfüllt ist und gar keine Zeit hat, irgendwelche Leiden zu haben. Nach meinen persönlichen langjährigen Erfahrungen in der ehrenamtlichen Arbeit ist jeder Tag so ausgefüllt, daß ich gar nicht mehr weiß, wie ich früher noch meinen anspruchsvollen Beruf ausführen konnte. Das bereichert das Zusammenleben sehr..."